Übersicht
Kisspeptin-10, KP-10, Metastin 45-54: dieselbe Substanz
| Bezeichnung | Herkunft |
|---|---|
| Kisspeptin-10 | Nach der Länge von zehn Aminosäuren |
| KP-10 | Gebräuchliche Kurzform |
| Metastin 45-54 | Ursprünglicher Name plus Position im Vorläuferprotein |
| KISS1 (45-54) | Nach dem kodierenden Gen |
Verwechslungsgefahr besteht mit Kisspeptin-54, dem längeren Fragment aus denselben Studien. Beide sind aktiv, das hier angebotene Material ist die zehn Aminosäuren lange Form.
Herkunft und Entwicklungsgrund
Die Geschichte von Kisspeptin beginnt an einer unerwarteten Stelle. 1996 beschrieb eine Arbeitsgruppe in Hershey, Pennsylvania, ein Gen, das die Metastasierung von Melanomzellen unterdrückte. Sie nannten es KISS1, das Genprodukt Metastin.
Erst 2003 wurde klar, dass die eigentliche Bedeutung woanders liegt. Zwei unabhängige Gruppen, Seminara in Boston und de Roux in Paris, untersuchten Familien mit ausbleibender Pubertät und fanden bei beiden denselben genetischen Defekt: einen inaktiven Rezeptor GPR54. Der zugehörige Ligand war Kisspeptin.
Damit war ein bis dahin unbekannter, übergeordneter Schalter der Fortpflanzungsachse identifiziert. Kisspeptin wirkt in den publizierten Modellen oberhalb von GnRH und ist damit einer der wenigen Fälle, in denen die Endokrinologie eine völlig neue Regulationsebene fand.
Wirkmechanismus in der Literatur
GPR54-Aktivierung. Kisspeptin-10 bindet an den G-Protein-gekoppelten Rezeptor GPR54 auf GnRH-Neuronen im Hypothalamus. Die beschriebene Folge ist eine Freisetzung von GnRH, das seinerseits die Ausschüttung von LH und FSH aus der Hypophyse anstößt.
Pulsatilität. In der Literatur wird betont, dass die Signalgebung pulsatil erfolgt. Kontinuierliche Exposition führt in den publizierten Modellen zur Desensibilisierung des Rezeptors, ein Muster, das von anderen Achsen der Endokrinologie bekannt ist.
Forschungsstand 2026
Kisspeptin gehört zu den besser untersuchten Peptiden dieser Liste. Es existieren Humanstudien zur Gonadotropin-Freisetzung, etwa von Dhillo und Kollegen, sowie eine breite Grundlagenliteratur zur Pubertätsregulation.
Untersucht wird die Substanz in der Forschung unter anderem als diagnostisches Werkzeug für die Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Eine arzneimittelrechtliche Zulassung besteht nicht.
Von einem Krebsgen zum Regulator der Pubertät
Die Geschichte des Kisspeptins gehört zu den unerwartetsten der jüngeren Endokrinologie, und sie erklärt seinen Namen.
1996 suchte eine Arbeitsgruppe in Pennsylvania nach Genen, welche die Metastasierung beim Melanom unterdrücken. Sie fand eines und nannte es KiSS-1. Die Anspielung war lokal: Hershey Kisses werden in Hershey, Pennsylvania, hergestellt. Das Peptid heißt also wegen einer Süßware Kisspeptin, nicht wegen der Fortpflanzung.
Fünf Jahre lang blieb KiSS-1 ein Metastasensuppressorgen. Dann zeigte die Arbeitsgruppe um Ohtaki im Jahr 2001, dass das Gen in Wirklichkeit den Liganden eines damals verwaisten G-Protein-gekoppelten Rezeptors codiert, des GPR54, seither KISS1R genannt.
Die Wende kam 2003. Seminara und Kollegen beschrieben im New England Journal of Medicine Familien mit inaktivierenden Mutationen des GPR54. Diese Patienten wiesen einen hypogonadotropen Hypogonadismus auf, also ein Ausbleiben der Pubertät. Ein zur Krebsforschung untersuchtes Gen erwies sich als Schlüsselstelle der Geschlechtsentwicklung.
Die genaue Stelle in der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse
Dies ist der Punkt, den die meisten Darstellungen verfehlen, und er bestimmt alles Weitere.
Kisspeptin wirkt nicht an den Gonaden. Es wirkt weiter oben, an den GnRH-Neuronen des Hypothalamus, die KISS1R exprimieren. Die beschriebene Kaskade verläuft wie folgt:
- Kisspeptin-Neurone, unter anderem im Nucleus arcuatus, setzen das Peptid frei.
- Kisspeptin bindet an KISS1R auf den GnRH-Neuronen.
- Diese Neurone setzen GnRH pulsatil frei.
- Die Hypophyse antwortet mit der Sekretion von LH und FSH.
- Die Gonaden reagieren auf LH und FSH.
Die praktische Folge ist bedeutsam: Kisspeptin steht an der Spitze der Kaskade, dort, wo die physiologische Regulation intakt bleibt. Das unterscheidet es von einer exogenen Gabe von Gonadotropinen, welche die Kontrollstufen umgeht.
Kisspeptin-10 gegenüber den längeren Formen
Das Gen KISS1 codiert einen Vorläufer aus 145 Aminosäuren, der in mehrere aktive Fragmente gespalten wird. Die Bezeichnung folgt schlicht der Länge.
| Form | Länge | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kisspeptin-54 | 54 Aminosäuren | Metastin, die ursprünglich isolierte lange Form |
| Kisspeptin-14 | 14 Aminosäuren | Zwischenfragment |
| Kisspeptin-13 | 13 Aminosäuren | Zwischenfragment |
| Kisspeptin-10 | 10 Aminosäuren | Kleinstes aktives C-terminales Fragment |
Alle teilen dasselbe C-terminale Ende, das die Aktivität am Rezeptor trägt. Kisspeptin-10 ist das kürzeste Fragment mit vollständiger Affinität zu KISS1R.
Die kurzen Formen weisen in den publizierten Arbeiten eine kürzere Halbwertszeit auf als Kisspeptin-54, was unmittelbare Folgen für die Gestaltung eines Versuchsprotokolls hat.
Dokumentierte Forschungsfelder
- Reproduktionsneuroendokrinologie. Das mit Abstand dominierende Feld. Steuerung der Pubertät, Pulsatilität der GnRH, saisonale Regulation in Tiermodellen.
- Onkologie. Die historische Funktion als Metastasensuppressor bleibt ein aktives Thema, getrennt von der reproduktiven Funktion.
- Stoffwechsel. Neuere Arbeiten beschreiben Wirkungen auf enteroendokrine Zellen und Pankreasinseln in Mausmodellen.
- Aquakultur und Nutztierkunde. Der Einsatz an Fischmodellen zur Follikelreifung ist ein aktives Feld, das in humanzentrierten Darstellungen meist übersehen wird.
Regulatorische Einordnung
Kisspeptin-10 ist in keinem Rechtsraum als Arzneimittel zugelassen. Für Arzneimittelfragen in Deutschland ist das BfArM zuständig.
Kisspeptin-10 kaufen: worauf Sie achten sollten
Beim Kisspeptin-10 kaufen entscheidet nicht der Preis, sondern die Überprüfbarkeit der Qualität. Ein Forschungspeptid ist immer nur so gut wie sein Analysenzertifikat. Diese fünf Kriterien trennen seriöse Anbieter von Graumarkt-Verkäufern, äußerlich sieht lyophilisiertes Pulver identisch aus.
1. HPLC-Reinheit, dokumentiert statt behauptet
Die HPLC-Reinheit gibt an, welcher Anteil des Pulvers tatsächlich Kisspeptin-10 ist und nicht Nebenprodukt der Synthese. Seriöse Anbieter dokumentieren den Wert mit einem Chromatogramm. Eine Reinheitsangabe ohne beigefügtes Chromatogramm ist eine Behauptung, kein Nachweis.
2. Chargenspezifisches Analysenzertifikat (CoA)
Das wichtigste Dokument. Ein chargenspezifisches CoA gehört zu genau der Charge, die Sie erhalten: mit Chargennummer, Analysedatum und Reinheitswert, erstellt von einem unabhängigen Labor. Faustregel: Kann ein Anbieter das CoA nicht sofort zur konkreten Charge zeigen, kaufen Sie dort nicht.
3. LC-MS-Identitätsbestätigung
Reinheit sagt aus, wie viel eines Stoffes vorhanden ist. Die LC-MS sagt aus, welcher Stoff es ist. Sie bestätigt über die Molekülmasse die korrekte Identität und schließt aus, dass ein billigeres, falsch etikettiertes Material geliefert wurde.
4. Herkunft und EU-Versand mit Rückverfolgbarkeit
Ein Anbieter mit Lager in der EU und vollständiger Chargen-Rückverfolgbarkeit ist gegenüber Grauimporten im Vorteil: kürzere Transportwege, keine Zollrisiken, ein dokumentierter Weg von der Synthese bis zur Phiole.
5. Korrekte Lieferform: Lyophilisat
Hochwertiges Material wird als Lyophilisat geliefert, gefriergetrocknetes Pulver, nicht als vorgemischte Lösung. Lyophilisiert ist die Substanz deutlich länger stabil und wird erst unmittelbar vor der Verwendung rekonstituiert.
Rechtlicher Hinweis: Kisspeptin-10 ist ein Forschungsmaterial und kein zugelassenes Arzneimittel. Es wird ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung abgegeben und ist nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr bestimmt. Es hat keine zugelassene therapeutische Anwendung.
Wissenschaft und Studien
Zentrale Publikationen
Lee J.H., Miele M.E., Hicks D.J., Phillips K.K., Trent J.M., Weissman B.E., Welch D.R. (1996). KiSS-1, a novel human malignant melanoma metastasis-suppressor gene. J Natl Cancer Inst. 88(23):1731 bis 1737. PubMed 8944003 Die Entdeckung des Gens, fünf Jahre bevor irgendjemand einen Bezug zur Fortpflanzung herstellte.
Ohtaki T., Shintani Y., Honda S. et al. (2001). Metastasis suppressor gene KiSS-1 encodes peptide ligand of a G-protein-coupled receptor. Nature. 411(6837):613 bis 617. PubMed 11385580 Die Zuordnung von Ligand und Rezeptor. Der Angelpunkt der ganzen Geschichte.
Seminara S.B., Messager S., Chatzidaki E.E. et al. (2003). The GPR54 gene as a regulator of puberty. N Engl J Med. 349(17):1614 bis 1627. PubMed 14573733 Die Publikation, die Kisspeptin zu einem Thema der Endokrinologie machte. Humangenetik, kein Tiermodell.
Thompson E.L., Patterson M., Murphy K.G. et al. (2004). Central and peripheral administration of kisspeptin-10 stimulates the hypothalamic-pituitary-gonadal axis. J Neuroendocrinol. 16(10):850 bis 858. PubMed 15500545 Die Arbeit, die sich eigens mit verabreichtem Kisspeptin-10 befasst und nicht mit dem Gen.
Colledge W.H. (2004). GPR54 and puberty. Trends Endocrinol Metab. 15(9):448 bis 453. PubMed 15519892 Eine zeitgenössische Übersicht zu den Befunden von 2003, nützlich für den Gesamtrahmen.
Studien im Detail
▸ Studie 1: die Entdeckung des Gens
Zitat: Lee J.H. et al. KiSS-1, a novel human malignant melanoma metastasis-suppressor gene. J Natl Cancer Inst, 1996. PubMed 8944003
Was sie taten: Die Gruppe suchte nach Metastasensuppressorgenen und arbeitete dabei mit Zellhybriden des Melanoms, einem klassischen Ansatz der somatischen Genetik.
Was sie fanden: ein Gen, dessen Expression die Metastasierungsfähigkeit der Melanomzellen verringerte, benannt als KiSS-1.
Warum das zählt: weil die hier beschriebene Funktion nichts mit Fortpflanzung zu tun hat. Das ist eine nützliche Erinnerung daran, dass ein Peptid mehrere biologische Rollen ohne erkennbaren Zusammenhang haben kann und dass das onkologische Feld des Kisspeptins fortbesteht.
▸ Studie 2: der Ligand und sein Rezeptor
Zitat: Ohtaki T. et al. Metastasis suppressor gene KiSS-1 encodes peptide ligand of a G-protein-coupled receptor. Nature, 2001. PubMed 11385580
Was sie taten: eine Entwaisungsstrategie. GPR54 war ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor, dessen natürlicher Ligand unbekannt war. Die Gruppe suchte nach dem körpereigenen Molekül, das ihn aktiviert.
Was sie fanden: Das Produkt des Gens KiSS-1 bindet mit hoher Affinität an GPR54. Das C-terminale Fragment genügt zur Aktivierung, was die Existenz des Kisspeptin-10 überhaupt erst begründet.
Warum das zählt: Dieser Artikel macht Kisspeptin-10 erst relevant. Ohne ihn wüsste man nicht, dass das C-terminale Dekapeptid der wirksame Teil ist.
▸ Studie 3: der Nachweis beim Menschen
Zitat: Seminara S.B. et al. The GPR54 gene as a regulator of puberty. N Engl J Med, 2003. PubMed 14573733
Was sie taten: die genetische Untersuchung konsanguiner Familien, in denen mehrere Mitglieder einen idiopathischen hypogonadotropen Hypogonadismus aufwiesen, also ein Ausbleiben der Pubertät ohne erkennbare anatomische Ursache.
Was sie fanden: inaktivierende Mutationen des GPR54 bei den Betroffenen, mit einer zum Phänotyp passenden Segregation.
Warum das zählt: Es ist ein Nachweis beim Menschen, erbracht durch Genetik und nicht durch die Gabe einer Substanz. Der Funktionsverlust des Rezeptors blockiert die Pubertät. Dieses Evidenzniveau liegt deutlich über dem Durchschnitt des Peptidfeldes.
▸ Studie 4: die Gabe des Dekapeptids
Zitat: Thompson E.L. et al. Central and peripheral administration of kisspeptin-10 stimulates the hypothalamic-pituitary-gonadal axis. J Neuroendocrinol, 2004. PubMed 15500545
Was sie taten: die Verabreichung von Kisspeptin-10 auf zwei getrennten Wegen, zentral und peripher, im Tiermodell, mit Messung der Gonadotropine.
Was sie fanden: eine Stimulation der Achse über beide Wege, mit Anstieg des LH. Dass der periphere Weg funktioniert, war das bemerkenswerte Ergebnis, denn für ein an hypothalamischen Neuronen wirkendes Peptid war das nicht selbstverständlich.
Warum das zählt: Es ist die für ein Protokoll mit Kisspeptin-10 unmittelbar einschlägigste Arbeit, im Unterschied zu Untersuchungen am Gen oder am Rezeptor.
Lagerung
Lyophilisiertes Pulver bei 2 bis 8 °C lichtgeschützt lagern, für die Langzeitlagerung −20 °C. In trockener Form ist die Substanz so über Jahre stabil. Nach der Rekonstitution gehört die Lösung gekühlt und lichtgeschützt und sollte laut Literatur innerhalb von 28 Tagen verwendet werden. Wiederholtes Einfrieren und Auftauen vermeiden, das baut Peptide messbar ab.
Rekonstitution
Lyophilisat und bakteriostatisches Wasser zuerst auf Raumtemperatur bringen. Das Lösungsmittel langsam an der Innenwand der um 45° geneigten Phiole einlaufen lassen, niemals direkt auf das Pulver strahlen. Nicht schütteln, sondern vorsichtig rollen, bis sich alles gelöst hat. Schaumbildung deutet auf Denaturierung hin.
Das exakte Volumen für Ihre Zielkonzentration berechnet der Peptid-Rechner. Als Lösungsmittel eignet sich bakteriostatisches Wasser mit 0,9 % Benzylalkohol, das nach dem ersten Anstechen eine mehrwöchige Entnahme erlaubt.
Volumina für verschiedene Endkonzentrationen
| Menge im Fläschchen | Zugegebenes Lösungsmittel | Endkonzentration |
|---|---|---|
| 5 mg | 2 ml | 2,5 mg/ml |
| 5 mg | 5 ml | 1 mg/ml |
| 10 mg | 5 ml | 2 mg/ml |
| 10 mg | 10 ml | 1 mg/ml |
Ein für Kisspeptin-10 spezifischer Hinweis
Kisspeptin-10 ist ein kurzes Dekapeptid ohne stabilisierende Modifikation. Daraus ergeben sich zwei praktische Folgen.
Erstens ist die für die kurzen Formen beschriebene Halbwertszeit gegenüber Kisspeptin-54 kurz. Ein für die lange Form entworfenes Protokoll lässt sich nicht unverändert übertragen.
Zweitens sind, wie bei jedem kurzen unmodifizierten Peptid, wiederholte Gefrier- und Auftauzyklen der wichtigste vermeidbare Abbaufaktor. Die Aufteilung in Einmalaliquote unmittelbar nach der Rekonstitution löst das Problem ein für alle Mal.
Die rekonstituierte Lösung bleibt klar. Jede Trübung oder jeder sichtbare Niederschlag weist auf ein Problem des Lösungsmittels oder der Lagerung hin, und die Lösung darf für quantitatives Arbeiten nicht verwendet werden.
Vorbestellung
Kisspeptin-10 ist derzeit zur Vorbestellung verfügbar. Sie reservieren die gewünschte Menge unverbindlich, wir bestätigen die Charge und den Liefertermin per E-Mail. Es erfolgt keine Zahlung bei der Reservierung.
Kombinationshinweise: Substanzen desselben Feldes
Kisspeptin-10 nimmt eine besondere Stellung ein: Es wirkt an der Spitze einer endokrinen Kaskade. Die in der Forschung sinnvollen Bezüge sind daher überwiegend Vergleiche und keine Verstärkungen.
Gonadotropine und GnRH
In den publizierten Protokollen wird Kisspeptin häufiger mit GnRH verglichen als mit ihm kombiniert. Die Logik ist eindeutig: Beide wirken auf dieselbe Kaskade auf verschiedenen Ebenen, und eine gemeinsame Gabe erschwert die Auswertung.
Stoffwechselpeptide
Die neueren Arbeiten zu enteroendokrinen Zellen und Pankreasinseln rücken Kisspeptin in ein metabolisches Feld, fernab seines historischen Reproduktionsfeldes. Bezüge zu Agonisten des GLP-1-Rezeptors gehören in dieses Feld, das jung ist und dessen Datenlage begrenzt bleibt.
Eine methodische Anmerkung
Mehrere auf dieselbe Achse wirkende Peptide zu kombinieren, macht das Ergebnis fast immer unauswertbar. Für Kisspeptin, dessen Reiz gerade in seiner vorgelagerten Position liegt, gilt das in besonderem Maß.
Wissenschaftliche Kennzahlen und Zitate
“Mutationen des Gens GPR54 sind mit einem idiopathischen hypogonadotropen Hypogonadismus verbunden, was diesen Signalweg als Regulator der Pubertät ausweist.” Nach Seminara S.B. et al. (2003), New England Journal of Medicine 349(17):1614 bis 1627 PubMed 14573733
Eckdaten aus der Literatur
- Entdeckung des Gens KiSS-1: 1996, Lee und Kollegen, im Feld des Melanoms
- Identifizierung des Liganden von GPR54: 2001, Ohtaki und Kollegen, Nature
- Nachweis der Rolle bei der Pubertät des Menschen: 2003, Seminara und Kollegen, NEJM
- Länge des von KISS1 codierten Vorläufers: 145 Aminosäuren
- Beschriebene aktive Fragmente: Kisspeptin 54, 14, 13 und 10
- Rezeptor: KISS1R, früher GPR54, G-Protein-gekoppelter Rezeptor
- Wirkort: GnRH-Neurone des Hypothalamus
- Herkunft des Namens: die Hershey Kisses aus Hershey, Pennsylvania
- WADA-Verbotsliste: derzeit nicht betroffen
Zahlen aus den zitierten Studien
- Entdeckung des Gens (Lee 1996, J Natl Cancer Inst 88(23):1731 bis 1737): die Übertragung von menschlichem Chromosom 6 in die Melanomlinien C8161 und MelJuSo unterdrückte die Fähigkeit zur Metastasierung um mindestens 95 %, ohne die Tumorbildung zu beeinflussen. Genau in diesen Zellen wurde die cDNA KiSS-1 gefunden
- Identifikation des Peptids (Ohtaki 2001, Nature 411(6837):613 bis 617): KiSS-1 kodiert ein C-terminal amidiertes Peptid mit 54 Aminosäuren, isoliert aus menschlicher Plazenta und Metastin genannt. Es ist der endogene Ligand des Orphan-Rezeptors hOT7T175, heute KISS1R
- Genetik der Pubertät (Seminara 2003, NEJM 349(17):1614 bis 1627): in einer blutsverwandten Familie fand sich eine homozygote L148S-Mutation in GPR54, bei einem nicht verwandten Patienten die Mutationen R331X und X399R. Die Transfektion von COS-7-Zellen mit den mutierten Konstrukten ergab eine signifikant geringere Inositolphosphat-Akkumulation
- Wo das Peptid wirkt (Thompson 2004, J Neuroendocrinol 16(10):850 bis 858): bei adulten männlichen Ratten erhöhte eine i.c.v. Dosis von 3 nmol Kisspeptin-10 das Plasma-LH nach 10, 20 und 60 Minuten, FSH nach 60 Minuten und das Gesamttestosteron nach 20 und 60 Minuten
- In derselben Arbeit hatten Konzentrationen von 100 bis 1000 nM Kisspeptin-10 keinen Einfluss auf die LH- oder FSH-Freisetzung aus Hypophysenfragmenten in vitro. Die Wirkung ist also hypothalamisch und nicht hypophysär, und genau darin liegt der Unterschied zur Gabe von Gonadotropinen
- GPR54-defiziente Mäuse (Colledge 2004, Trends Endocrinol Metab 15(9):448 bis 453) durchlaufen keine Pubertät und haben unreife Geschlechtsorgane und niedrige Sexualsteroide, aber normale GnRH-Spiegel im Hypothalamus. Zulassung als Arzneimittel: keine
Referenzquellen (PubMed)
- Lee J.H. et al. (1996). KiSS-1, a novel human malignant melanoma metastasis-suppressor gene. J Natl Cancer Inst 88(23):1731 bis 1737. PubMed 8944003
- Ohtaki T. et al. (2001). Metastasis suppressor gene KiSS-1 encodes peptide ligand of a G-protein-coupled receptor. Nature 411(6837):613 bis 617. PubMed 11385580
- Seminara S.B. et al. (2003). The GPR54 gene as a regulator of puberty. N Engl J Med 349(17):1614 bis 1627. PubMed 14573733
- Thompson E.L. et al. (2004). Central and peripheral administration of kisspeptin-10 stimulates the hypothalamic-pituitary-gonadal axis. J Neuroendocrinol 16(10):850 bis 858. PubMed 15500545
- Colledge W.H. (2004). GPR54 and puberty. Trends Endocrinol Metab 15(9):448 bis 453. PubMed 15519892
Regulatorischer Status: Kisspeptin-10 ist in keinem Rechtsraum als Arzneimittel zugelassen. Es ist Gegenstand klinischer Forschung in der Reproduktionsendokrinologie, was einer Zulassung nicht gleichkommt. Für Arzneimittelfragen in Deutschland ist das BfArM zuständig. Das hier angebotene Produkt ist ein Reagenz ausschließlich für die wissenschaftliche Laborforschung (RUO).
Häufig gestellte Fragen zu Kisspeptin-10
Was ist Kisspeptin-10?
Kisspeptin-10 ist das kürzeste vollständig aktive Fragment des Peptidhormons Kisspeptin, das vom KISS1-Gen kodiert wird. Es umfasst die Aminosäuren 45 bis 54 des Vorläufers und bindet an den Rezeptor GPR54, auch KISS1R genannt.
Warum heißt es Kisspeptin?
Der Name geht auf den Entdeckungsort zurück: Das KISS1-Gen wurde 1996 in Hershey, Pennsylvania, als Metastase-Suppressorgen beschrieben, benannt nach den dort produzierten Hershey’s Kisses. Die ursprüngliche Bezeichnung Metastin stammt aus diesem Kontext.
Welche Rolle spielt Kisspeptin in der Forschung?
Die Arbeiten von Seminara und de Roux aus dem Jahr 2003 zeigten, dass Defekte im GPR54-Rezeptor zu einer ausbleibenden Pubertät führen. Damit wurde Kisspeptin als übergeordneter Schalter der Gonadotropin-Achse identifiziert, oberhalb von GnRH.
Ist Kisspeptin-10 zugelassen?
Nein. Kisspeptin-10 ist kein zugelassenes Arzneimittel und wird ausschließlich als Forschungsmaterial für die Laborforschung abgegeben.
Worin unterscheiden sich Kisspeptin-10 und Kisspeptin-54?
Es sind zwei Fragmente desselben Vorläufers mit demselben aktiven C-terminalen Ende. Kisspeptin-54, auch Metastin, ist die ursprünglich isolierte lange Form. Kisspeptin-10 ist das kürzeste Fragment mit erhaltener Rezeptoraffinität. Die beschriebenen Halbwertszeiten unterscheiden sich, was für die Gestaltung eines Protokolls zählt.
Warum trägt dieses Peptid einen so eigentümlichen Namen?
Weil das Gen in Hershey, Pennsylvania, entdeckt wurde, wo Hershey Kisses hergestellt werden. Der Name hat keinerlei Bezug zur biologischen Funktion.
Wirkt Kisspeptin an den Gonaden?
Nein, nicht unmittelbar. Es wirkt an den GnRH-Neuronen des Hypothalamus, also an der Spitze der Kaskade. Die Gonaden reagieren anschließend auf die Gonadotropine der Hypophyse.
Was ist GPR54?
Der frühere Name des Kisspeptin-Rezeptors, heute KISS1R. Bis 2001 war er ein verwaister Rezeptor, dessen natürlicher Ligand unbekannt war.
Ist das Evidenzniveau belastbar?
Für die Rolle bei der Pubertät ist es für dieses Feld ungewöhnlich belastbar: Es beruht auf Humangenetik, mit Funktionsverlustmutationen und einem klaren Phänotyp. Über die Wirkung einer exogenen Gabe bei einer gesunden Person sagt das jedoch nichts, dafür ist die Datenlage weit dünner.

