Kurz gesagt
Epithalon, auch Epitalon oder Epithalone geschrieben, ist ein synthetisches Tetrapeptid mit der Sequenz Ala-Glu-Asp-Gly (AEDG). Die Gruppe um Vladimir Khavinson am Sankt Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie hat es aus dem Zirbeldrüsenextrakt Epithalamin abgeleitet und überwiegend selbst untersucht: in Zellkulturen, Tiermodellen und wenigen kleinen Humanstudien. Als Arzneimittel ist Epithalon nirgends zugelassen.
- Molekül: Ala-Glu-Asp-Gly, Summenformel C14H22N4O9, 390,35 g/mol (PubChem CID 219042)
- Datenbasis: 144 PubMed-Treffer zu Epitalon oder Epithalon, davon 90 mit Khavinson als Autor (Abfrage 20.10.2026)
- Telomerase: Telomerverlängerung 2003 in humanen Fibroblasten beschrieben, 2025 von einer Londoner Gruppe in Zelllinien erneut gemessen
- Humandaten: kleine Biomarker- und Physiologiestudien, keine ausreichend große randomisierte Studie
- Verwandte Peptide: Pinealon (Glu-Asp-Arg) und der Thymusextrakt Thymalin stammen aus derselben Forschungstradition
Was ist Epithalon und woher stammt es?
Epithalon ist ein synthetisches Tetrapeptid aus Alanin, Glutaminsäure, Asparaginsäure und Glycin. Vorlage war Epithalamin, ein Polypeptidextrakt aus der Zirbeldrüse (Epiphyse) von Rindern. Die Sequenz wurde aus der Aminosäureanalyse dieses Extrakts abgeleitet und erst später im Extrakt selbst nachgewiesen.

So beschreibt es eine Übersichtsarbeit der Medizinischen Universität Warschau (Araj 2025, Int J Mol Sci). Den Nachweis lieferte die Sankt Petersburger Gruppe 2017 per Massenspektrometrie und HPLC: Der Polypeptidkomplex bestand zu 50,72 Prozent aus Tripeptiden, zu 23,19 Prozent aus Dipeptiden und zu 22,10 Prozent aus Tetrapeptiden, unter denen AEDG gefunden wurde (Khavinson 2017, Bull Exp Biol Med).
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Sequenz | Ala-Glu-Asp-Gly (AEDG) |
| Summenformel | C14H22N4O9 |
| Molekülmasse | 390,35 g/mol |
| Schreibweisen | Epithalon, Epitalon, Epithalone |
| Vorlage | Epithalamin, Polypeptidextrakt der Zirbeldrüse |
Für die Literaturrecherche ist das wichtig: Epithalamin ist ein Gemisch, Epithalon ein definiertes Einzelmolekül. Eine Übersichtsarbeit vom Oktober 2026 bewertet beide deshalb getrennt und behandelt die Epithalamin-Studien nur als historischen Kontext (Jain 2026, Int J Mol Sci).
Studienlage zu Epithalon: Zellen, Tiermodelle und menschliche Proben
Die Literatur zu Epithalon umfasst Zellkulturen mit Fokus auf Telomerase, Tiermodelle von der Fruchtfliege bis zum Rhesusaffen und einzelne kleine Untersuchungen an menschlichem Material. Die Tabelle zeigt repräsentative Arbeiten mit dem Befund, wie ihn das Abstract formuliert.
| Modell | Befund laut Abstract | Quelle |
|---|---|---|
| Humane fötale Fibroblasten | Expression der katalytischen Telomerase-Untereinheit, Telomerverlängerung | Khavinson 2003, Bull Exp Biol Med |
| Normale Epithel- und Fibroblastenzellen, Brustkrebszelllinien | Telomerverlängerung, in normalen Zellen dosisabhängig über hTERT, in Krebszellen über ALT | Al-Dulaimi 2025, Biogerontology |
| Lymphozyten von 11 Männern, ex vivo | Telomerlänge bei 7 von 11 signifikant verändert, davon 5 länger und 2 kürzer | Khavinson 2019, Bull Exp Biol Med |
| Drosophila melanogaster | Lebensdauer der Imagines um 11 bis 16 Prozent länger | Khavinson 2000, Mech Ageing Dev |
| SHR-Mäuse, 54 je Gruppe | mittlere Lebensdauer unverändert, maximale um 12,3 Prozent länger | Anisimov 2003, Biogerontology |
| Weibliche Rhesusaffen | abendliche Melatoninsynthese bei alten Tieren gesteigert | Khavinson 2001, Neuro Endocrinol Lett |
| Zirbeldrüsen junger und alter Ratten, in vitro | kein signifikanter Effekt auf die Melatoninsekretion | Djeridane 2003, J Endocrinol Invest |
Den Telomerase-Strang und die Aussagekraft der Telomerlänge als Marker behandelt der Beitrag Telomere verlängern. Hier zählen zwei Details. In der Lymphozytenstudie wurden die Telomere bei zwei der elf Spender kürzer, die Autoren sprechen von einer Tendenz zur Normalisierung um den Gruppenmittelwert. In der Londoner Arbeit verlängerten sich die Telomere auch in Krebszelllinien, dort aber über den telomeraseunabhängigen ALT-Mechanismus (Alternative Lengthening of Telomeres). Wer mit Tumorzelllinien arbeitet, sollte diesen Befund kennen. Außerdem passen beim Melatonin die Befunde an Affen und an isolierten Rattenzirbeldrüsen nicht ohne Weiteres zusammen.
Wie belastbar ist die Datenbasis zu Epithalon?
Die Datenbasis zu Epithalon ist methodisch eng. Von 144 PubMed-Treffern tragen 90 den Namen Khavinson in der Autorenliste, 77 erschienen in zwei russischen Fachzeitschriften, und keine Arbeit ist als randomisierte kontrollierte Studie indexiert. Unabhängige Arbeiten gibt es, aber vereinzelt und fast nur im Zellmodell.

Die Übersichtsarbeit von Jain und Kollegen bewertete die Literatur bis zum 22. September 2026 nach Studiendesign, Stichprobengröße und unabhängiger Replikation. Ergebnis: Humandaten beschränken sich auf kleine physiologische oder Biomarkerstudien und eine ältere kontrollierte Studie bei Retinitis pigmentosa; eine ausreichend gepowerte randomisierte Studie fehlt, ebenso belastbare Daten zu Pharmakokinetik und Langzeitsicherheit (Jain 2026).
| Kennzahl (PubMed, Abfrage 20.10.2026) | Wert |
|---|---|
| Treffer zu „epitalon OR epithalon“ | 144 |
| davon mit Khavinson als Autor | 90 |
| davon in Bull Exp Biol Med | 49 |
| davon in Adv Gerontol | 28 |
| als randomisierte kontrollierte Studie indexiert | 0 |
| als klinische Studie indexiert | 1 (2002) |
Die einzige als klinische Studie indexierte Arbeit betrifft Retinitis pigmentosa, ihr Abstract nennt keine Teilnehmerzahl (Khavinson 2002, Neuro Endocrinol Lett). Unabhängige Gruppen setzten Epithalon bisher vor allem im Labor ein: die Brunel University London an Zelllinien, Gruppen in China an Eizellen der Maus (Yue 2022, Aging) und in Südkorea an bovinen Eizellen (Ullah 2025, Life Sci). Das stützt die biologische Aktivität im Labormodell, über einen Organismus sagt es nichts. Den Vergleich mit anderen Molekülen zieht der Überblick Longevity Peptide.
Pinealon und Thymalin: verwandte Peptide der Khavinson-Schule
Pinealon und Thymalin stammen aus demselben Sankt Petersburger Umfeld wie Epithalon. Pinealon ist ein synthetisches Tripeptid mit der Sequenz Glu-Asp-Arg, Thymalin dagegen ein aus dem Thymus isolierter Polypeptidkomplex. Für Pinealon ist die Datenbasis noch deutlich dünner als für Epithalon.
| Merkmal | Epithalon | Pinealon | Thymalin |
|---|---|---|---|
| Typ | synthetisches Tetrapeptid | synthetisches Tripeptid | Polypeptidkomplex aus dem Thymus |
| Sequenz | Ala-Glu-Asp-Gly | Glu-Asp-Arg | keine Einzelsequenz, Peptidgemisch |
| PubMed-Treffer (20.10.2026) | 144 | 22 | 293 |
| Schwerpunkt | Telomerase, Melatonin, Tiermodelle | oxidativer Stress in Zellmodellen | Differenzierung von Immunzellen |
Zu Pinealon beschreibt eine Arbeit von 2011 eine dosisabhängig verminderte Anreicherung reaktiver Sauerstoffspezies in Körnerzellen des Kleinhirns, Neutrophilen und PC12-Zellen (Khavinson 2011, Rejuvenation Res). Für Thymalin berichtet eine Zellstudie von 2020 an humanen hämatopoetischen Stammzellen eine 6,8-fach höhere Expression des Markers CD28 (Khavinson 2020, Bull Exp Biol Med). Eine Humanarbeit des Umfelds begleitete 266 ältere Menschen über 6 bis 8 Jahre, allerdings unter den Extrakten Thymalin und Epithalamin, nicht unter synthetischem Epithalon (Khavinson und Morozov 2003, Neuro Endocrinol Lett).
Epithalon für die Forschung: Zertifikat und Bezug
Für die Epithalon-Charge MQ-EPITHALON-202609 liegt ein Prüfbericht des unabhängigen Labors Analyton Labs vor, Nummer AN-2026-00024 vom 28.10.2026, mit einer HPLC-Reinheit von 99,93 Prozent. Weil Epithalon überwiegend in Modellen mit kleinen Stichproben untersucht wird, wiegt die Materialqualität schwer: Ein zu niedriger Gehalt sieht in den Rohdaten aus wie ein schwächerer Effekt.
Bestimmt wurde die Reinheit per Umkehrphasen-HPLC (RP-HPLC) an einer C18-Säule bei 214 nm. Die Zahl beschreibt den Anteil des Hauptpeaks im Chromatogramm, nicht den Peptidgehalt der Pulvermasse, der laut Bericht 84,14 Prozent beträgt. Das Zertifikat zur Charge MQ-EPITHALON-202609 ist online einsehbar, ebenso die Website von Analyton Labs. Notieren Sie die Chargennummer zusammen mit Ihren Versuchsdaten.
Jain 2026 verweist zudem auf offene Fragen zu Produktqualität und Regulierung nach einer beratenden Prüfung der FDA im Jahr 2026, und schon 2015 identifizierte das belgische Gesundheitsinstitut WIV-ISP Epitalon in zwei illegalen pharmazeutischen Präparaten (Vanhee 2015, Drug Test Anal). Molequa® gibt Epithalon ausschließlich als Referenzmaterial für die Laborforschung ab, nicht zur Anwendung am Menschen oder am Tier: Epithalon für die Forschung kaufen.
Häufige Fragen
Was ist Epithalon? Epithalon ist ein synthetisches Tetrapeptid mit der Sequenz Ala-Glu-Asp-Gly (AEDG) und einer Molekülmasse von 390,35 g/mol. Es wurde aus der Aminosäurezusammensetzung des Zirbeldrüsenextrakts Epithalamin abgeleitet. Epitalon und Epithalone sind andere Schreibweisen für dieselbe Substanz.
Ist Epithalon dasselbe wie Epithalamin? Nein. Epithalamin ist ein Polypeptidextrakt aus der Zirbeldrüse von Rindern, Epithalon ein einzelnes synthetisches Molekül. Befunde zu Epithalamin lassen sich nicht ohne Weiteres auf Epithalon übertragen.
Gibt es unabhängige Studien zu Epithalon? Unabhängige Studien gibt es nur wenige. Von 144 PubMed-Treffern tragen 90 Khavinson als Autor (Abfrage 20.10.2026). Außerhalb dieses Umfelds publizierten etwa die Brunel University London sowie Gruppen aus China und Südkorea, jeweils in Zell- oder Eizellmodellen.
Was haben Pinealon und Thymalin mit Epithalon zu tun? Pinealon und Thymalin stammen aus derselben Sankt Petersburger Forschungstradition wie Epithalon. Pinealon ist ein synthetisches Tripeptid mit der Sequenz Glu-Asp-Arg und 22 PubMed-Treffern, Thymalin ein aus dem Thymus isolierter Polypeptidkomplex.
Ist Epithalon als Arzneimittel zugelassen? Nein, nirgends, und randomisierte kontrollierte Studien sind in PubMed nicht verzeichnet. Molequa® gibt Epithalon ausschließlich als Referenzmaterial für die Laborforschung ab, nicht zur Anwendung am Menschen oder am Tier.
Stand: Oktober 2026. Alle Produkte von Molequa® sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt (Research Use Only), keine Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel, keine Kosmetika und nicht für den menschlichen oder tierischen Gebrauch vorgesehen.


