Kurz gesagt
Was ist Retatrutide? Ein synthetisches Peptid aus 39 Aminosäuren, das drei Rezeptoren gleichzeitig aktiviert: GIP, GLP-1 und Glukagon. Entwickelt wurde es von Eli Lilly unter der Nummer LY3437943, in Foren heißt es Reta, Triple G oder, sachlich falsch, GLP-3. Es ist eine Prüfsubstanz in Phase 3, Stand Oktober 2026 nirgends zugelassen und wird ausschließlich als Referenzmaterial für die Laborforschung geliefert (Research Use Only).
- Klasse: dritte Generation der Inkretin-basierten Peptide, nach Semaglutid (ein Rezeptor) und Tirzepatid (zwei Rezeptoren)
- Neu: der Glukagonarm, der in Tiermodellen den Energieumsatz erhöht (Coskun 2022, Cell Metabolism)
- Daten: 24,2 Prozent mittlere Gewichtsreduktion nach 48 Wochen in Phase 2, n = 338 (Jastreboff 2023, NEJM); Phase 3 TRIUMPH-1 seit 2026 begutachtet publiziert
- Status: keine Zulassung durch EMA oder FDA, US-Antrag für 2027 angekündigt
- Für Labore: Zertifikat zur Charge von Analyton Labs, HPLC-Reinheit und Identität per Massenspektrometrie
Den vollständigen Studienstand führt der Retatrutid Forschungsüberblick, der Einstieg in das Themencluster.
Was ist Retatrutide? Die fünf Namen eines Moleküls
Retatrutide ist der internationale Freiname (INN) eines einzigen Moleküls, das unter mindestens fünf weiteren Bezeichnungen kursiert. Alle meinen dasselbe Peptid. Nur unter dem Freinamen oder der Entwicklungsnummer LY3437943 finden Sie Studien in PubMed, die Szenenamen führen dort ins Leere.

| Bezeichnung | Herkunft | Einordnung |
|---|---|---|
| Retatrutide | internationaler Freiname (INN) | korrekt, Suchbegriff in PubMed |
| Retatrutid | eingedeutschte Schreibweise ohne End-e | korrekt |
| LY3437943 | Entwicklungsnummer von Eli Lilly | korrekt, in frühen Publikationen |
| Reta | Kurzform aus Foren | umgangssprachlich |
| Triple G | nach den Rezeptoren GIP, GLP-1, Glukagon | Szenename, inhaltlich stimmig |
| GLP-3 | Zählweise nach Generationen | irreführend, einen GLP-3-Rezeptor gibt es nicht |
Der Name GLP-3 entstand als Analogie: Semaglutid als erste Generation, Tirzepatid als zweite, Retatrutide als dritte. Pharmakologisch ist das falsch, denn der dritte Rezeptor ist der Glukagonrezeptor, kein weiteres GLP (GLP-3 Peptid).
Drei Generationen: warum Glukagon der entscheidende Zusatz ist
Die Entwicklung der Substanzklasse lässt sich als Reihe lesen. Semaglutid aktiviert einen Rezeptor (GLP-1), Tirzepatid zwei (GIP und GLP-1), Retatrutide drei. Neu ist der Glukagonrezeptor, der vor allem in der Leber sitzt und in Tiermodellen den Energieumsatz erhöht. Damit wirkt Retatrutide in den publizierten Modellen auf beide Seiten der Energiebilanz: weniger Aufnahme über GLP-1 und GIP, mehr Verbrauch über Glukagon.
GLP-1 und GIP sind Inkretine, sie verstärken nach einer Mahlzeit die Insulinfreisetzung und dämpfen in Studien die Kalorienaufnahme (Drucker 2006, The Lancet). Glukagon gilt als Gegenspieler des Insulins, fördert aber auch Fettabbau und Fettoxidation in der Leber und erhöht so den Energieumsatz (Neff 2025, Diabetes, Obesity and Metabolism).
Genau darin lag die Schwierigkeit beim Bau des Moleküls: Zu viel Glukagonaktivität treibt den Blutzucker hoch. In einer Infusionsstudie mit 10 übergewichtigen Freiwilligen stieg der Ruheenergieumsatz unter Glukagon, der gleichzeitige Blutzuckeranstieg fiel mit GLP-1 deutlich geringer aus (Tan 2013, Diabetes). Retatrutide ist so abgestimmt, dass die GLP-1- und GIP-Komponenten den Zuckereffekt des Glukagonarms ausgleichen. In vitro war die Aktivität am GLP-1- und am Glukagonrezeptor ausgewogen und am GIP-Rezeptor stärker (Coskun 2022). Dass ein solcher Triagonist in Nagetieren funktioniert, hatte 2015 ein Vorläufermolekül gezeigt (Finan 2015, Nature Medicine). Die drei Signalwege im Detail erklärt Retatrutid Wirkung.
Pharmakokinetik in Kürze
Retatrutide ist ein lineares Peptid mit zwei Modifikationen, die seine Stabilität sichern: ein Aminoisobuttersäure-Rest (Aib) an Position 2 schützt vor dem Abbau durch das Enzym DPP-4, eine C20-Fettdisäure am Lysin an Position 17 bindet an Albumin im Blut. Daraus ergibt sich eine Halbwertszeit von etwa sechs Tagen, weshalb alle Studienprotokolle ein wöchentliches Intervall verwendeten.

| Merkmal | Retatrutide | Beleg |
|---|---|---|
| Länge | 39 Aminosäuren, linear | Coskun 2022 |
| Molekülmasse | 4731,3 Da | Herstellerangabe, per Massenspektrometrie prüfbar |
| Schutz vor DPP-4 | Aib an Position 2 | Coskun 2022 |
| Verlängerung | C20-Fettdisäure, Albuminbindung | Coskun 2022 |
| Halbwertszeit | etwa sechs Tage | Urva 2022, The Lancet, Phase 1b, n = 72 |
| Intervall in Studien | einmal wöchentlich, subkutan | Jastreboff 2023 |
Für Labore folgt daraus die Prüfgröße: Die Identität des Peptids ist über die Molekülmasse per Massenspektrometrie belegbar, die Reinheit per HPLC.
Stand Oktober 2026: Studien und Zulassung
Stand 9. Oktober 2026 ist Retatrutide in keinem Land zugelassen, weder von der EMA noch von der FDA. Begutachtet publiziert sind drei Phase-2-Arbeiten und seit 2026 die ersten beiden Phase-3-Studien des Programms TRIUMPH. Eli Lilly hat den Zulassungsantrag in den USA für das erste Quartal 2027 angekündigt, für die EU gibt es keinen Termin. Ein Präparat in Deutschland ist vor 2028 kaum zu erwarten.
Phase 2 bei Adipositas berichtete nach 48 Wochen 24,2 Prozent mittlere Gewichtsreduktion im 12-mg-Arm gegen 2,1 Prozent unter Placebo (n = 338, Jastreboff 2023). Bei Typ-2-Diabetes sank der HbA1c nach 24 Wochen um 2,02 Prozentpunkte (n = 281, Rosenstock 2023, The Lancet), bei Fettleber fiel das Leberfett nach 24 Wochen um 81,4 bis 82,4 Prozent (n = 98, Sanyal 2024, Nature Medicine).
Phase 3: TRIUMPH-1 (Adipositas ohne Diabetes, n = 2339, 80 Wochen) berichtete 17,6, 23,7 und 25,0 Prozent mittlere Gewichtsreduktion in den Armen mit 4, 9 und 12 mg gegen 3,9 Prozent unter Placebo (Jastreboff 2026, NEJM). TRIUMPH-2 (mit Typ-2-Diabetes, n = 1152) meldete 18,8 gegen 5,1 Prozent (Bellido 2026, The Lancet). Häufigste unerwünschte Ereignisse waren dosisabhängige Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, die Einzelbefunde stehen in Retatrutide Nebenwirkungen.
Einen Handelsnamen gibt es nicht. Den Zeitplan bei EMA und FDA analysiert Retatrutid Zulassung: wann?.
Retatrutide für die Forschung: Zertifikat und Bezug
Bis zu einer Zulassung existiert Retatrutide ausschließlich als Referenzmaterial für Labore, Institutionen und Forschende. Es ist kein Arzneimittel und nicht für die Anwendung am Menschen bestimmt. Für den Bezug zählt ein einziges Dokument: das Analysenzertifikat eines unabhängigen Labors zur konkreten Charge.
Bei Molequa analysiert Analyton Labs jede Charge, die aktuelle Retatrutid-Charge weist eine HPLC-Reinheit von 99,23 Prozent aus, die Identität ist per hochauflösender Massenspektrometrie bestätigt. Ob ein Zertifikat zu Ihrem Vial gehört, prüfen Sie im CoA-Checker. Für Ihr Labor können Sie bei Molequa Retatrutide kaufen, als lyophilisiertes 10-mg-Vial zu 116,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer, versendet aus einem EU-Lager. Die Kriterienliste für die Anbieterauswahl führt Retatrutid für die Forschung kaufen, das passende Lösungsmittel ist bakteriostatisches Wasser.
Häufige Fragen
Was ist Retatrutid genau? Ein synthetisches Peptid aus 39 Aminosäuren, das drei Rezeptoren für Stoffwechselhormone gleichzeitig aktiviert: GIP, GLP-1 und Glukagon. Es stammt von Eli Lilly, trägt die Entwicklungsnummer LY3437943 und befindet sich in Phase 3. Zugelassen ist es nirgends, geliefert wird es nur als Forschungsmaterial.
Ist Retatrutid ein Peptid oder ein Insulin? Ein Peptid, kein Insulin. Insulin ist ein körpereigenes Hormon aus zwei Ketten, das den Blutzucker direkt senkt. Retatrutid ist ein Analogon der Darm- und Bauchspeicheldrüsenhormone GIP, GLP-1 und Glukagon und beeinflusst deren Rezeptoren, nicht den Insulinrezeptor.
Warum heißt Retatrutid auch Triple G oder GLP-3? Triple G steht für die drei Rezeptoren GIP, GLP-1 und Glukagon und ist inhaltlich stimmig. GLP-3 entstand aus einer Zählweise nach Generationen, Semaglutid, Tirzepatid, Retatrutid, und ist sachlich falsch, weil der dritte Rezeptor der Glukagonrezeptor ist und kein weiteres GLP existiert.
Wer hat Retatrutid entwickelt? Eli Lilly. Die Erstbeschreibung von der Entdeckung bis zum ersten Wirksamkeitsnachweis am Menschen erschien 2022 in Cell Metabolism (Coskun et al.), die erste Mehrfachdosis-Studie im selben Jahr in The Lancet (Urva et al., n = 72).
Ist Retatrutid in Deutschland zugelassen? Nein. Stand Oktober 2026 gibt es weder eine Zulassung der EMA noch der FDA, keinen Handelsnamen und keine Kassenleistung. Eli Lilly hat den US-Antrag für das erste Quartal 2027 angekündigt, ein Präparat in Deutschland ist vor 2028 unwahrscheinlich.
Worin unterscheidet sich Retatrutid von Tirzepatid? In einem Rezeptor: Tirzepatid aktiviert GIP und GLP-1, Retatrutid zusätzlich den Glukagonrezeptor. Tirzepatid ist seit 2022 in der EU zugelassen, Retatrutid nicht. In getrennten Studien wurden für Retatrutid höhere Gewichtsreduktionen berichtet, eine direkte Vergleichsstudie gibt es nicht. Den Vergleich führt Retatrutid vs Tirzepatid.
Alle Produkte von Molequa® sind ausschließlich für die Laborforschung bestimmt (Research Use Only). Sie sind keine Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel und keine Kosmetika und nicht für den menschlichen oder tierischen Gebrauch vorgesehen.


